04 August 2017

Der stumme Prophet

Meine Wertung

Leo Trotzki, der revolutionäre Spielverderber

Hinter Friedrich Kargan, der Hauptfigur in Joseph Roths posthum veröffentlichtem Romanfragment "Der stumme Prophet", steckt Leo Trotzki, der 1879 als Lew Dawidowitsch Bronstein in Janowka im Russischen Kaiserreich auf die Welt kam. Trotzki, der Revolutionär und u. a. ehemalige Volkskommissar für das Kriegswesen, war der Hauptwidersacher von Josef Stalin, der ihn 1927 entmachtete und 1928 nach Alma-Ata in Kasachstan verbannte. In dieser Zeit muss Joseph Roth an seinem biografischen Roman gearbeitet haben. Das Schicksal wollte es, dass Trotzki aus der Verbannung 1929 ins Exil in die Türkei getrieben wurde, wo er, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, seine Autobiografie verfasste. Der Erfolg der Autobiografie ermunterte Trotzki mit der „Geschichte der Russischen Revolution“ fortzufahren, allerdings entmutigte er anscheinend Joseph Roth, seinen Roman zu Ende zu schreiben. Das unvollendete Werk fordert dem Leser einiges an Kombinationsvermögen ab, auch fehlt es zuweilen an der nötigen Stringenz, aber es entschädigt dafür durch grandiose, nicht selten ironische und bissige Szenen, die nur Joseph Roth so schreiben konnte. Wer weiß, ob Trotzkis "Mein Leben" nicht letztendlich durch Roths "Der stumme Prophet" in den Schatten gestellt worden wäre, hätte Joseph Roth sein Werk nur vollendet? Eine Spekulation, denn Joseph Roth starb 1939 in Paris; ein Jahr später wurde Leo Trotzki in Mexiko von einem sowjetischen Agenten ermordet.

09 July 2017

Der Sturm und seine Folgen in Hamburg

(Hamburg, 06.07.2017 - 09.07.2017) Unter dem verräterischen Motto "Welcome to Hell" hat der Schwarze Block Aktionstage gegen den Kapitalismus angekündigt. Statt dessen hat er den G20-Gipfel in Hamburg dazu genutzt, Chaos und Gewalt in der Stadt zu verbreiten.

Die Zuschauer nehmen ihre Logenplätze ein ...
... während sich die Protagonisten versammeln; noch wird die Faust symbolisch geballt.
Alkohol erhöht den Adrenalinspiegel, leere Bierflaschen dienen als Wurfgeschosse.
Anschließend wird die "Uniform" des Schwarzen Blocks angelegt.
Männer und Frauen, mit und ohne Migrationshintergrund, machen gleichberechtigt mit.
Verkehrsschilder dienen als Spaten, um Gehwegplatten herauszuhebeln.
Zertrümmerte Gehwegplatten werden zu handlichen Wurfgeschossen.
Bengalos werden gezündet.
Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper prasseln auf Polizisten nieder, bis ...
... diese zum Gegenangriff übergehen. Die letzte Munition wird verschossen ...
... ehe man das Weite sucht, um in der Masse des Schwarzen Blocks zu verschwinden.
Zurück bleiben Presseleute und einige Übermütige, die zu langsam waren.
Zurück bleiben aber auch verwüstete Straßenzüge, ...
geplünderte und beschmierte Geschäfte, ...
... zerstörte Geldautomaten und ...
... ein Vandalismus, der Besucher und Bewohner des Schanzenviertels ratlos macht.
Mein Fazit: Junge Männer und Frauen, mit und ohne Migrationshintergrund, im Alltag vermutlich weitgehend unauffällige Bürger, kommen aus aller Welt zusammen, um den ultimativen Kick zu erleben. Sie "spielen" eine pervertierte Art von "Räuber und Gendarm", wobei sie Tote und Verletzte, insbesondere unter Polizisten, billigend in Kauf nehmen, wenn nicht sogar bewusst anstreben; "Niemand muss Bulle!" lautet einer ihrer Slogans. Mit Politik hat das alles nicht das Geringste zu tun. Hier hilft nur eine Nulltoleranzstrategie mit konsequenter Strafverfolgung und Aburteilung der Straftäter!

06 July 2017

Eine Reise zu Uwe Johnson nach Güstrow

(Rostock, 03.07.2017 - 06.07.2017) Die Ruhe vor dem Sturm in Hamburg nutze ich, um nach Rostock zu fahren und von dort nach Recknitz und Güstrow. Ich folge Frauke Meyer-Gosau und ihrem Buch "Versuch eine Heimat zu finden: Eine Reise zu Uwe Johnson" (C.H. Beck, 2014, S. 35-71).

Recknitz

Eine schmale Landstraße, abzweigend von jener größeren, die von Güstrow aus zum Inselsee und dem Barlach-Haus führt, leitet uns durch hügelige Felder und Wiesen hin zu einer kleinen, um die alte Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert und ihren säuberlich gepflegten Friedhof herum gruppierten Ortschaft mit dem Namen Recknitz.


"Ort am Fluss" hat das in slawischer Zeit geheißen, der Name für ein Fischerdorf. Für uns aber nimmt alles hier seinen Ausgang von einer Erinnerung Uwe Johnsons aus dem Jahr 1979, anlässlich der ihm von seinem Verleger Siegfried Unseld abgenötigten "Frankfurter Vorlesungen". "Ich (war) fast elf Jahre alt", ist dort zu lesen, "als ich meinem Staatsoberhaupt Adolf Hitler zum letzten Mal begegnete in einem mecklenburgischen Dorf. Vertrauensvoll und gerissen blickte der da in eine Gute Stube, als stünden keine Sowjets vor seinem Bunker, als sei der Reichssender Hamburg immer noch in grossdeutschen Händen statt in denen der Angelsachsen. Dann gilt als Kindermund die Frage, ob dieser Wandschmuck auch rechtzeitig abgehängt werde.

Die Antwort lautete: Das hat äe nicht verdient, mein Kint.

03 July 2017

Die Ruhe vor dem Sturm in Hamburg

(Hamburg, 02.07.2017 - 03.07.2017) Das Schulterblatt ist die Straße, die die Hamburger Stadtteile Sternschanze und Eimsbüttel durchzieht und den Kern des Schanzenviertels bildet. Nichts deutet am 02.07.2017 auf die gewalttätigen Krawalle hin, die sich hier wenige Tage später am Rande des G20-Gipfels abspielen werden.


Wirklich nichts? Nein, wirklich nichts, aber der Fotograf weiß, wie jeder klar denkende Mensch auch, dass die Nähe zwischen dem linken Szeneviertel und dem benachbarten Messe- und Kongresszentrum, als Austragungsort für den G20-Gipfel, eine explosive Mischung ergibt.

22 June 2017

Photo Finish and Balance Sheet in Rheinberg (5,066 km)


Distance: 5,066 kilometers = 3,148 miles
Travel period: 30.05.2017 - 16.06.2017 = 18 days
Difference in temperature: 13°C = 55°F (Kitzbühel) / 34°C = 93°F (Budapest)
Photos: about 1,000
Traffic tickets: none
Bike trouble: gear failure caused by hydraulic oil leak and indicator malfunction
Bakshish: none
Travel expenses: affordable
Personal meetings: innumerable
Experiences: priceless
Fun factor and risk of repetition: extremely high

Stages (12 = 5,066 km = 18 days)

A Side Trip to Friedrich Schiller and Paul Celan Starting from the Golden City of Pforzheim (407 km)
The Ambiguous Reputation of Kitzbühel (915 km)
Modern Architecture between Deep Clouds and Floodwaters in Graz (1,262 km)
The Splendor of the Jewish Community of Kecskemét (1,665 km)
Meeting Friedrich Schiller Again in Sibiu (2,140 km)
Back to School in Bucharest (2,434 km)
The "Silk Gypsies" from Bălăușeri and Heavy Rains over Sighișoara (2,771 km)
Meeting a Friend and a World Star in Cluj-Napoca (2.930 km)
The Fair of Scythes en Route to Budapest (3,688 km)
There's Music in the Air in Vienna (3,995 km)
Court Room 600 in Nuremberg (4,555 km)

Photographic Supplement

Heaven-Assailing in Kitzbühel
Heaven-Assailing in Kecskemét
Down to Earth in Kecskemét
Medieval Mood in the Morning in Sighișoara
Fashion Catwalk
Calvin Klein
Szegedin Goulash, Mămăligă and Farmer's Ciorbă in Negreni
Spaghetti Syndrome in Cluj-Napoca
Lonesome Bike in Budapest
Lonesome Beggar in Bucharest

21 June 2017

Court Room 600 in Nuremberg (4,555 km)

(Nuremberg, 15.06.2017 - 16.06.2017) On 20 November, 1945 the Nuremberg Trial of 21 leading representatives of the Nazi regime began here in this building. In Court Room 600, which had been specially refurbished, the defendants had to answer for their crimes against peace and humanity before an international court. Twelve further trials were held here before US military tribunals between 1946 and 1949.


The Einsatzgruppen Trial was the ninth of these twelve trials. Otto Ohlendorf was the commanding officer of Einsatzgruppe D, which perpetrated mass murder in Moldova, South Ukraine, including Czernowitz, the Crimea, and, during 1942, the North Caucasus. He was convicted of and executed for war crimes committed during World War II in 1951. As for Czernowitz, the Adolf Eichmann Trial provides additional information on the atrocities committed in the city. Session 48 on 23 May, 1961, begins with the testimony from Perla Mark, the wife of Chief Rabbi Dr. Abraham Jakob Mark, who describes the burning of the main synagogue in Czernowitz and the murder of Jews including her husband.


It is like an irony of fate that both the Courthouse with Court Room 600 and the Old Jewish Cemetery of Nuremberg are located on the very same street, Bärenschanzstraße!



This was the eleventh stage of my this year's spring motorcycle ride to Romania; with the full dozen I'll be back home and make up a balance. I hope you enjoyed travelling by my side.